Die zweite Testsession der Formel 1 Vorsaisontests 2026 ist vorbei und nach zwei Tagen auf dem Bahrain International Circuit können Teams, Fahrer und Fans bereits eine erste Bilanz ziehen. Die neue Saison steht vor der Tür, und die Winterarbeit in den Werken scheint bei einigen Teams Früchte zu tragen – während andere nach wie vor mit Herausforderungen kämpfen. Was wir am zweiten Testtag gesehen haben, gibt spannende Einblicke, wie sich das Kräfteverhältnis verschieben könnte.
Besonders auffällig war heute der starke Auftakt von Ferrari. Charles Leclerc und Carlos Sainz präsentierten sich in Bestform und sorgten mit schnellen Rundenzeiten für Aufsehen. Ihre Long Runs waren konstant und reifenschonend, was auf einen spürbaren Fortschritt in Maranello deutet. Die Ferrari-Ingenieure scheinen das Problem aus der letzten Saison – den hohen Reifenverschleiß – teilweise gelöst zu haben. Aber auch Red Bull ließ mit beachtlicher Zuverlässigkeit aufhorchen; Max Verstappen und Sergio Pérez absolvierten zusammen ein enormes Pensum an Runden und sammelten wertvolle Daten.
Mercedes hatte einen durchwachsenen Tag: Während Lewis Hamilton in den Morgenstunden noch an der Spitze der Zeitentabelle kratzte, wurde der W14 am Nachmittag von Problemen mit der Balance ausgebremst. Besonders in den langsamen Kurven hatte das Team Schwierigkeiten, den Grip auf die Strecke zu bringen. Trotzdem zieht Technikchef Mike Elliott ein positives Fazit: „Wir lernen mit jedem Umlauf dazu und konnten viele neue Komponenten austesten.“
Aston Martin zeigte erneut, dass sie auf dem Vormarsch sind. Fernando Alonso spulte nicht nur zahlreiche Runden ab, sondern setzte im Mittelsektor sogar die Bestzeit des Tages– ein klares Zeichen dafür, dass das Team aus Silverstone seine Ambitionen für die neue Saison ernst meint. Teamkollege Lance Stroll konnte das Tempo von Alonso zwar nicht ganz mitgehen, erledigte aber wichtige Aero- und Setup-Arbeiten im Hintergrund. Besonders beeindruckend: Die Zuverlässigkeit des neuen AMR26, der auch nach harten Runs keinerlei technische Probleme offenbarte.
Ein Rätsel bleibt bislang McLaren. Oscar Piastri und Lando Norris taten sich schwer, konstant schnelle Zeiten zu fahren. Die Ingenieure sprachen von Problemen mit der Aerodynamik und beklagten starke Überhitzung im Heckbereich. Trotzdem optimistisch: „Wir wissen, wo wir ansetzen müssen. Das Potenzial des MCL60 ist da“, analysierte Teamchef Andrea Stella. Auch Williams, Haas und Alfa Romeo nutzten den Testtag, um neue Teile zu evaluieren und sich auf unterschiedliche Streckenbedingungen einzustellen. Auffällig war, wie viele Teams mit innovativen Luftleitelementen experimentierten, um das geänderte technische Reglement für 2026 bestmöglich auszunutzen.
Großes Gesprächsthema in der Boxengasse war zudem der Umgang mit den neuen Pirelli-Reifen. Viele Fahrer berichteten von deutlich veränderter Balance und einem anderen Verschleißverhalten im Vergleich zum Vorjahr. Für die Renningenieure bedeutet das eine immense Herausforderung bei der Abstimmung; für die Fans verspricht es eine strategisch noch interessantere und unvorhersehbare Saison.
In den kommenden Tagen werden alle Teams weiter an der perfekten Abstimmung arbeiten und versuchen, die letzten Schwächen auszumerzen, bevor es am 2. März mit dem ersten Rennwochenende ernst wird. Klar ist schon jetzt: Die Formel-1-Saison 2026 verspricht wieder jede Menge Dramatik, Überraschungen und Racing auf allerhöchstem Niveau. Wer am Ende die Nase vorn hat, ist nach den ersten Tests zwar noch offen – aber die Vorfreude ist schon jetzt riesig!