Der Große Preis von Miami 2024 sorgte für reichlich Gesprächsstoff in der Motorsportwelt – und insbesondere McLaren und Lando Norris standen dabei im Rampenlicht. Nach einem furiosen Qualifying musste sich das britische Team trotz ambitionierter Strategie und hoher Erwartungen am Ende doch mit dem zweiten Platz begnügen. Für viele Fans und Experten stellt sich dabei die Frage: Was fehlte McLaren zum dritten Grand-Prix-Sieg in der Teamgeschichte und wie bewerten Fahrer und Teamleitung den Verlauf des Rennens?
Schon im Vorfeld wurde von McLaren betont, dass die Weiterentwicklungen am Auto, insbesondere am MCL38, hervorragende Fortschritte erzielt hätten. Lando Norris startete von einer aussichtsreichen Position und zeigte sowohl im Sprint als auch im Hauptrennen durchgehend starke Leistungen. Dennoch fiel im kritischen Moment der berüchtigte „Undercut“ durch Red Bull zu Ungunsten des britischen Piloten aus. Max Verstappen nutzte diese strategische Chance und erarbeitete sich durch einen früheren Boxenstopp einen entscheidenden Vorsprung.
Beeindruckend war, wie selbstkritisch Norris nach dem Rennen reagierte. Anstatt externe Faktoren ins Feld zu führen, räumte er unumwunden ein, dass das Team einfach „unterboten“ wurde. Aussagen wie „Wir haben heute keine Ausreden“ verdeutlichen, dass McLaren auf höchstem Niveau nicht nur das fahrerische Talent, sondern auch Selbstreflexion und Teamgeist lebt. Exakte Analysen und konstruktive Kritik nehmen hier einen hohen Stellenwert ein – ein Ansatz, der das Team künftig noch stärker machen könnte.
Die eigentliche Schlüsselstelle des Rennens lag dabei in der Boxenstopp-Phase rund um Runde 29. Red Bull entschied sich dazu, Verstappen frühzeitig herein zu holen und auf frische Pneus zu setzen. McLaren zögerte einen Umlauf länger, was im Nachhinein den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachte. Der sogenannte „Undercut“ ist in der Welt der Formel 1 ein besonders effektives Werkzeug: Der Fahrer, der zuerst neue Reifen aufzieht, kann auf der ausgeruhteren Gummimischung sofort angreifen und wertvolle Sekunden auf der Strecke gewinnen.
Diese Taktik funktionierte für Verstappen einmal mehr perfekt. Lando Norris gab zwar alles, doch der Vorsprung, den Verstappen durch diese strategische Entscheidung gewann, war nicht mehr einzuholen. Die Rennleitung von McLaren analysierte nach dem Rennen akribisch sämtliche Daten, um daraus für kommende Events die richtigen Schlüsse zu ziehen. Auch Teamchef Andrea Stella räumte ein, dass beim Timing des Boxenstopps womöglich nicht das Optimum erreicht wurde.
Das Rennen von Miami zeigte zudem, dass McLaren immer besser zur absoluten Spitze aufschließt. In puncto Pace und Reifenmanagement konnte das Team mit Red Bull erneut über weite Strecken mithalten. Die jüngsten Upgrades zeigen Wirkung – der Abstand zwischen den beiden Teams ist spürbar geschrumpft. Auch wenn es diesmal nicht zum ganz großen Triumph reichte, bleibt festzuhalten: McLaren ist wieder ein wirklicher Herausforderer.
Für die Fans bleibt die Hoffnung, dass die enge Konkurrenz zwischen Red Bull, McLaren und, gelegentlich, auch Ferrari, für einen spannenden weiteren Verlauf der Saison sorgt. Norris selbst gibt sich kämpferisch: „Wir werden daraus lernen und noch stärker zurückkommen.“ Das Team aus Woking wird in den kommenden Rennen alles daran setzen, den ersehnten nächsten Sieg einzufahren. Die Faszination der Formel 1 lebt vor allem von solchen Herzschlag-Finals – und McLaren hat bewiesen, dass sie so nah dran sind wie lange nicht.
Der Blick geht bereits nach Imola, wo McLaren erneut als Mitfavorit gelten dürfte – sofern das Team in der entscheidenden Phase den perfekten Strategie-Coup landet. Die Formel 1 wird dadurch in dieser Saison noch unberechenbarer und spannender. Es bleibt spannend, ob der Undercut diesmal auf McLarens Seite ist.