Nach dem mit Spannung erwarteten Miami Grand Prix stand die Scuderia Ferrari im Zentrum des Interesses – allerdings nicht wegen berauschender Ergebnisse, sondern wegen der deutlichen Schwierigkeiten, denen das Team am gesamten Wochenende ausgesetzt war. In einer Saison, die bereits von Höhen und Tiefen geprägt ist, wurde in Florida schnell offensichtlich, dass die Herausforderungen für Charles Leclerc und Carlos Sainz diesmal besonders groß waren. Die Erwartungen an Ferrari waren hoch, doch am Sonntag sprang lediglich ein sechster und achter Platz heraus – enttäuschend im Kampf um Platz zwei in der Konstrukteursweltmeisterschaft.
Bereits im Qualifying zeichnete sich ab, dass Ferrari nicht zum Schlagabtausch mit Red Bull oder McLaren würde ansetzen können. Zu gering schien der Vorsprung auf das Mittelfeld, zu wechselhaft das Handling der SF-24. Besonders Charles Leclerc kämpfte mit dem Set-up. Sein Ferrari war über die gesamte Distanz hinweg schwer einzuschätzen, der Reifenverschleiß zu hoch. Teamkollege Carlos Sainz versuchte mit einer aggressiven Strategie zu punkten, konnte jedoch das Tempo der vorderen Boliden nicht mitgehen.
Frédéric Vasseur, der Teamchef, sprach nach dem Rennen offen von einer "mega schwierigen Aufgabe" für seine Mannschaft: „Das war kein Rennen, das uns glücklich stimmt. Wir haben das Maximum herausgeholt, aber das Paket war an diesem Wochenende einfach nicht konkurrenzfähig genug.“ Besonders bitter: Im direkten Vergleich mit McLaren zog Ferrari klar den Kürzeren – Oscar Piastri und Lando Norris präsentierten sich mit ihrem Paket überlegen, Norris feierte sogar seinen ersten Grand-Prix-Sieg.
Ferraris große Probleme fußten in Miami hauptsächlich auf zwei Faktoren: mangelhafte Reifennutzung und eine aerodynamische Abstimmung, die für den welligen Stadtkurs zu wenig Stabilität bot. Gerade im zweiten Stint verloren Leclerc und Sainz viel Zeit, als die Hinterreifen früh abbauten und das Auto ins Rutschen geriet. Im Mittelsektor, traditionell Ferraris Stärke, gingen wichtige Zehntel verloren – ein Alarmsignal für das erfolgsverwöhnte Team. Vasseur bestätigte: „Wir arbeiten mit Hochdruck an weiteren Upgrades, aber offensichtlich müssen wir am Gesamtpaket nochmal grundlegender ansetzen.“
Die Konkurrenz nutzte Ferraris Schwächen gnadenlos aus. Während Red Bull in Miami ausnahmsweise nicht dominierte, sprangen McLaren und Mercedes in die Bresche. Besonders auffällig: Sollte Norris' Leistungsniveau anhalten, könnte Ferrari auch den zweiten Platz in der WM noch verlieren. Die Italiener hatten darauf gesetzt, mit dem dritten Update-Paket eine Trendwende einzuleiten – doch stattdessen verdeutlichten die Gegner ihre Fortschritte. Vasseur mahnte: „Wir müssen ab jetzt von Rennen zu Rennen denken, dürfen aber den Entwicklungsdruck nicht aus den Augen verlieren.“
Auch bei der Boxenstopp-Strategie zeigte sich Potenzial für Verbesserungen. In entscheidenden Phasen fehlte die perfekte Abstimmung zwischen Crew und Fahrern – ein Detail, das auf höchstem Niveau den Unterschied machen kann. Positiv stimmt die Ferrari-Fans indes, dass beide Fahrer aus eigener Kraft in die Punkte fuhren und das Team geschlossen als Einheit auftrat, trotz der Enttäuschung und des offensichtlichen Rückschritts.
Der Blick richtet sich nun nach Imola, wo Ferrari nicht nur auf heimischem Boden, sondern auch mit neuen Upgrades an den Start gehen will. Die Hoffnung lebt, dass eine Rückkehr auf europäische Strecken dem Team mehr liegt und die Herausforderung von Miami als Weckruf dient. Vasseur bleibt optimistisch: „Wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Die Saison ist noch lang, und wir werden zurückschlagen.“ Ferrari-Fans dürfen also gespannt sein, wie die Roten das Ruder herumreißen – denn die Punktejagd ist noch lange nicht entschieden.